28.11.2025

Industriebasis der Schweiz mit inländischem Rüstungsauftrag stärken!

Im Zusammenhang mit der aktuellen Beschaffung einer neuen Armeepistole wird der Mehrwert einer inländischen Fertigung und deren Nutzen für das Land kaum diskutiert. Lieber thematisiert man angebliche, zwischenzeitlich widerlegte Sicherheitsmängel. SIG SAUER in Neuhausen am Rheinfall ist ein traditionsreiches Unternehmen, das seit Generationen die Schweizer Armee mit hochwertigen Waffensystemen beliefert. Wir haben nachgefragt, was der Beitrag zur Stärkung der Industriebasis und der Versorgungssicherheit im Ernstfall tatsächlich wäre. (Redaktion Pro Militia)

Ein Land, das eine eigene Rüstungsproduktion besitzt, kann die militärische und polizeiliche Einsatzfähigkeit selbst gewährleisten. Beschaffungen aus dem Ausland – das liegt auf der Hand – sind im Krisenfall besonders anfällig für Abhängigkeiten: Lieferketten können zusammenbrechen, Exportstopps drohen, und politische Bedingungen können die Versorgung mit Rüstungsgütern für die Landesverteidigung beeinträchtigen.

Die technologische Komplexität von Handfeuerwaffen ist im Vergleich zu schweren Waffensystemen überschaubar. Sie ist industriell breit anschlussfähig und schafft Know-how, das im Notfall rasch ausgebaut werden kann. Eine nationale Fertigung garantiert Ersatzteile, Wartung und Weiterentwicklung – ein Minimum an Souveränität zu tragbaren Kosten. Rund um das aktuelle Beschaffungsverfahren für eine neue Armeepistole zum Beispiel wird dennoch kaum diskutiert, welchen Nutzen diese Industrie für das Land bringt. Viel lieber wird über angebliche Sicherheitsrisiken spekuliert (siehe Box).

Know-how sichern

Für die SIG SAUER AG ist es ein Einfaches zu beweisen, dass sie bereits heute einen grossen Beitrag zur Industriebasis der Schweiz leistet. Das Unternehmen in Neuhausen im Rheinfall ist seit über 170 Jahren ein zentraler Ausrüster der Schweizer Armee. Das Unternehmen hat Generationen von Soldatinnen und Soldaten mit zuverlässigen und präzisen Waffen wie der Pistole P49, der P75, den Sturmgewehren Stgw 57 und Stgw 90 sowie verschiedenen Granatwerfersystemen ausgestattet. Diese Produkte stehen für technisches Know-how, das auf langjähriger Erfahrung, kontinuierlicher Forschung und einem hohen Qualitätsanspruch basiert.

Bewährtes weiterführen

SIG SAUER ist nicht nur ein Hersteller von Waffen, sondern begleitet seine Produkte von der Entwicklung bis zur Wartung. Das Unternehmen kümmert sich also um alles – von der ersten Idee bis zur Instandhaltung. Die enge Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee ist in der internationalen Rüstungsbranche selten und gehört zu den wichtigsten Traditionen der Schweizer Wehrtechnik.

Widerstandskraft stärken

Welchen Nutzen würde aber ein Armeeauftrag konkret bringen? «Mit einem Beschaffungsauftrag für eine P320 würde SIG SAUER die Herstellung der Pistolenteile zurück in die Schweiz und die Pistolenmontage zurück nach Neuhausen am Rheinfall holen – ein Schritt von erheblicher industrie- und sicherheitspolitischer Tragweite», beantwortet CEO Pasquale Caputi die Frage. SIG SAUER, im Besitz eines deutschen Konzerns mit Niederlassungen in den USA sowie am Stammsitz bei Schaffhausen, ist in der Sicherheitsindustrie tief verankert. Ein Zuschlag brächte zusätzliche Aufträge für ein bestehendes Netz von Zulieferern, sie würde aber auch für weiteren Technologietransfer in verwandte Industriezweige zeigen: in den Maschinenbau, in die Medizintechnik, in die Mikropräzision.

Technologiewissen streuen

Besonders KMU profitieren von dieser klassischen Industriepolitik. Durch ihre Einbindung in anspruchsvolle Fertigungs- und Lieferketten erhalten sie Zugang zu modernsten Technologien und Qualitätsstandards, entwickeln ihre Kompetenzen weiter und können sich erfolgreich in neue Marktsegmente integrieren. Dies stärkt nicht nur die KMU selbst, sondern auch die regionale Wirtschaftskraft und das industrielle Rückgrat der Schweiz.

Die konsequente Einbindung regionaler Partner hat weitere Vorteile: Produktionsketten werden abgesichert, Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten reduziert. Damit entsteht eine stabile industrielle Struktur, die auch unter erschwerten Bedingungen handlungsfähig bleibt. Zudem entstehen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – oder sie bleiben zumindest erhalten.

Rüstungspolitische Strategie umsetzen

«SIG SAUER kann rasch mit der Produktion loslegen», verspricht Caputi. «Bereits jetzt liegen alle notwendigen fertigungstechnischen Unterlagen und Spezifikationen für die Herstellung der P320 und P365 Pistolen sowie die notwendigen Genehmigungen zur Lizenzfertigung in der Schweiz in meinem Büro», so der SIG SAUER-Geschäftsführer. Die ersten Prototypen für die Schlüsselkomponenten der Armeepistole wurden mit etablierten Partnerunternehmen in der Schweiz bereits erfolgreich hergestellt.

Mit der lokalen Industrialisierung wolle sein Unternehmen seinen Beitrag zur Umsetzung der Rüstungspolitischen Strategie des Bundesrates leisten. Durch diese regionale Streuung der Fertigung und Beschaffung entstehe ein flächendeckender wirtschaftlicher Nutzen: «Wertschöpfung bleibt im Land, Arbeitsplätze entstehen in unterschiedlichsten Regionen, und auch strukturschwächere Gebiete profitieren», so Caputi und verweist auf eine Karte, welche seine Lieferanten in der ganzen Schweiz abbildet (Abbildung).

Mehrwert thematisieren

Die langfristige strategische Ausrichtung von Schweizer Rüstungsunternehmen auf die Armee garantiert also, dass die gewonnenen Kompetenzen, Technologien und Fertigungskapazitäten dauerhaft im Land bleiben. Das liefert nicht nur die gewünschte industrielle Substanz, sondern wirkt auch gesellschaftlich stabilisierend: Sie vermittelt jungen Generationen Perspektiven, fördert das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der heimischen Industrie und leistet einen Beitrag zur nationalen Identität – vom Milizsoldaten bis hin zum Sportschützen. Darüber sollten wir sprechen, nicht über heute geklärte Vorfälle in den USA.

Sicherheit der SIG SAUER P320 bestätigt

Die SIG SAUER P320 gilt als sehr sichere Dienstpistole. Untersuchungen bestätigen: Ungewollte Schüsse sind ohne Betätigung des Abzugs nicht möglich.

Die SIG SAUER P320 verfügt über eine besondere Sicherheitsvorrichtung: Das sogenannte Striker-Fired-System verzichtet auf einen aussenliegenden Schlaghammer, was das Risiko ungewollter Auslösungen oder Blockierungen reduziert. Eine interne Schlagbolzensicherung sorgt dafür, dass ein Schuss nur ausgelöst werden kann, wenn der Abzug bewusst betätigt wird. Weitere Sicherheitsmechanismen verhindern ungewollte Schussabgaben, etwa beim Herunterfallen der Waffe. Für die Zerlegung der P320 ist kein manuelles Betätigen des Abzugs nötig, was die Sicherheit bei Reinigung und Wartung erhöht.

Im Juli kam es bei den US-Luftwaffen-Sicherheitskräften zu einem tödlichen Vorfall mit einer Dienstwaffe M18 (SIG P320). Die U.S. Airforce veröffentlichte schon bald Details: Der Beschuldigte hatte seine Waffe «aus Spass» auf das Opfer gerichtet und die anderen Soldaten zu Falschaussagen angestiftet. Aufgrund der Falschaussagen wurde die Pistole M18 vorübergehend gesperrt und einer Sicherheitsinspektion unterzogen. Von 7’970 überprüften M18 wurden nur bei 191 Pistolen Abnutzungserscheinungen gefunden, jedoch keine sicherheitsrelevanten Fehler.

Der Vorfall befeuerte eine Debatte über ungewollte Schussabgaben bei der P320. Es ist bedauerlich, dass Gerüchte und vermutlich gezielt «Online-Abrechnungen» den Weg auch in Schweizer Medien finden und sie teils wider besseres Wissen noch immer weiterverbreitet.